Rückblick 2019

12.03.2019 Die diesjährige Veranstaltung lockte knapp 400 Besucherinnen und Besucher in das Bundespresseamt nach Berlin. Interessante Vorträge, Best Practices und Diskussionen rund um das Thema der digitalen Transformation in der öffentlichen Verwaltung sorgten für ein durchweg positives Feedback.

Die Digitalisierung wird zunehmend sichtbar

Lothar Sattler – Leiter der Abteilung V (Verwaltungsentwicklung, IKT-Steuerung, E-Government, Geschäftsprozessmanagement) der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Berlin – erläuterte, dass mit Inkrafttreten des E-Government-Gesetzes Berlin im Juni 2016 die Modernisierung und Digitalisierung der Berliner Verwaltung auf eine grundlegend neue rechtliche Basis gestellt wurde. Als Folge sind in den Jahren 2017 und 2018 die wesentlichen Grundlagen und Strukturen zur Beschleunigung der Verwaltungsdigitalisierung im Land Berlin gelegt worden. Der Berliner Senat hat die Digitalisierung als gemeinsame und dauerhafte Aufgabe aller Verwaltungen und des ITDZ Berlin hervorgehoben. Mit dem von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport erarbeiteten „Handlungsprogramm Digitalisierung Berliner Verwaltung“ werden der Fokus und die Priorität insbesondere auf solche Maßnahmen gelegt, die die fortschreitende Verwaltungsdigitalisierung nach außen sichtbar machen und Erleichterungen für Bürgerinnen und Bürger zur Folge haben. Im Vordergrund stehen die Bereitstellung und Nutzung von IKT-Basisdiensten und eine darauf abgestimmte Online-Umsetzung der TOP 100-Verwaltungsleistungen in enger Verzahnung mit dem Umsetzungskatalog des Online-Zugangsgesetzes.

Die Vorständin des ITDZ Berlin, Ines Fiedler, sprach davon, dass die Digitalisierung und die damit einhergehenden Vernetzungsmöglichkeiten eine Vielzahl neuer Chancen eröffnen: Für eine fortschrittliche Gesellschaft, für eine leistungsstarke Wirtschaft und eine bürgerorientierte Verwaltung. Das Internet der Dinge wird den Alltag neu prägen, Geräte werden mit anderen Geräten, Maschinen oder Personen vernetzt kommunizieren, Roboter und 3D-Drucker werden ganz selbstverständlich in jedem Haushalt dazugehören. Für Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung schaffen Open Access, Open Data und der damit verbundene Wissensaustausch neue Möglichkeiten. Die digitale Vernetzung von Dingen, Diensten und Menschen beginnt auf der technischen Ebene und setzt sich auf organisatorischer und persönlicher Ebene fort. Setzt man die digitale Vernetzung geschickt ein, kann sie wie ein Katalysator auf den Transformationsprozess wirken.

Die Umsetzung des OZG

Jörg Kremer von der FITKO vermerkte im Forum 1, dass das OZG den Handlungsdruck auf die vielen Akteure der Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen erhöht: Bis 2022 müssen sie den Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen alle ihre Leistungen direkt, einfach und sicher online anbieten. Die Umsetzung des Gesetzes ist somit föderale Gemeinschaftsaufgabe und benötigt eine übergreifende Koordinierung und Vernetzung. Im Auftrag des IT-Planungsrats haben der Bund und die FITKO diese Aufgabe gemeinsam übernommen. In seinem Beitrag stellte er den aktuellen Stand eines übergreifenden Informationsmanagements vor, das allen Beteiligten im föderalen Kontext des Digitalisierungsprogramms 2 die Möglichkeit eines aktuellen Monitorings, eines Berichtswesens und einer Vernetzung bietet.

Sebastian Haag von der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH stellte das Once-Only‘-Prinzip und ‘The Once-Only Principle Project’ vor, gab Einblicke in den aktuellen Stand der Pilotierung auf nationaler und internationaler Ebene und stellte die Verbindung zur Umsetzung der SDG-Verordnung bzw. des OZG her.

Enrico D’Ambruoso (Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Berlin) veranschaulichte, dass mit der Digitalisierung zusammenhängende Themen und Handlungsfelder die bisherigen Grenzen zwischen den Ländern aufbrechen würden. Damit verbunden sein wird zukünftig eine interdisziplinäre, verwaltungsübergreifende Zusammenarbeit, insbesondere im Rahmen von Projekten, die das Handeln zwischen den Ländern stärker prägen wird als bisher. Deshalb bietet die Vernetzung von geeigneten zentralen und dezentralen Verwaltungsportalen in einem Portalverbund den Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen einen verbesserten Zugang zu allen digitalen Verwaltungsleistungen.

Die IT-Konsolidierung schreitet voran

Ein wesentlicher Handlungsstrang der IT-Konsolidierung Bund ist die Dienstekonsolidierung. Ziel ist die Entwicklung von einheitlichen, leistungsstarken und sicheren IT-Lösungen für die gesamte unmittelbare Bundesverwaltung. Dr. Heike Stach, Leiterin des Programms Dienstekonsolidierung, zeigte in ihrem Vortrag die Kernstrategien bei der Umsetzung auf und gab einen Einblick in den aktuellen Stand sowie die nächsten Schritte.

Auch die Bezirksverwaltungen Berlins stehen vor großen Herausforderungen. Stetig wachsende Einwohnerzahlen und eine große Zahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den nächsten Jahren altersbedingt ausscheiden, erfordern eine leistungsfähige Bezirksverwaltung auf Basis einer modernen Informations- und Kommunikationstechnik. Mit dem neuen E-Government-Gesetz vom 30. Mai 2016 hat das Abgeordnetenhaus von Berlin die Voraussetzung geschaffen, die aktuelle Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) der Bezirke durch eine moderne, hochgradig standardisierte und vom ITDZ Berlin zukünftig zentral bereitgestellte IKT zu ersetzen. Dabei fungiert das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf als landesweite Pilotbehörde im Rahmen der Migration der bezirklichen IT zum ITDZ Berlin. Dr. Holger Lemcke (Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf) und Jens Fromm (ITDZ Berlin) stellten dar, was bisher geschafft wurde und welches die nächsten Schritte zur IT-Konsolidierung sind.

Die Rolle von künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung

KI ist in der öffentlichen Verwaltung angekommen. Volker Jacumeit, Gruppenleiter IT und IT-Sicherheit im DIN e.V., stellte die Ziele und Arbeiten des neuen Gremiums SC 42 Artificial Intelligence nationale Standardisierungsaktivitäten zu Künstlicher Intelligenz vor.

Die TU-Berlin und das ITDZ Berlin zeigten, dass der virtuelle Bürger-Service-Assistent (Chatbot) als ein zusätzlicher Kommunikationskanal schnell, komfortabel und rund um die Uhr Fragen zu Dienstleistungen und Standorten beantworten kann. Durch Nachfragen kann der virtuelle Bürger-Service-Assistent zudem gezielt auf das Anliegen des Nutzers eingehen. Hierbei nutzt der Virtuelle Assistent Techniken der Künstlichen Intelligenz und greift auf die umfangreiche Wissensbasis des Service-Portals zurück. Der Virtuelle Assistent fördert den Onlinezugang zu digitalen Verwaltungsleistungen und kann diese gegebenenfalls integrieren.

Joachim Bieniak (Business Development Manager bei der Infora), fokussierte das Themenfeld Textmining. Mit Textmining lassen sich bereits heute konkrete Ergebnisse erzielen. Um dies zu realisieren kommen jedoch nicht nur Komponenten der Künstlichen Intelligenz wie Machine Learning zum Einsatz, sondern auch auf Algorithmen basierende Werkzeuge. Die meist unstrukturierten Daten müssen vor der Analyse angemessen aufbereitet werden.

Change-Prozesse in der öffentlichen Verwaltung

Vivien Iffländer vom Fraunhofer IAO wies in ihrem Beitrag darauf hin, dass die Implementierung von technischen Neuerungen und neuem Inventar allein nicht ausreicht, um Akzeptanz gegenüber neuen Technologien und neuen Arbeitsformen zu schaffen. Es bedarf eines Wandels der Arbeits- und Organisationskultur, damit eine erfolgreiche Digitale Transformation in der Verwaltung gestaltet werden kann.

Dr. Andreas Kohne (Materna TMT) erläuterte mit einem Change-Modell, dass mit Hilfe von Change Kommunikation oder Akzeptanzmanagement Sinn und Zweck der Veränderung, die Veränderung an sich mit ihren jeweiligen Auswirkungen sowie die Strategie und Vision hinter der Veränderung an alle Beteiligten kommuniziert werden. Dies stellt den Erfolg eines Projekts sicher.
Unser Dank gebührt allen Beteiligten, die mit ihren Beiträgen zur erfolgreichen Ausrichtung des Digitalforums 2019 beigesteuert haben: Dazu gehören die zahlreichen Referentinnen und Referenten, die Organisatoren, der Fachbeirat und die ausstellenden Unternehmen, aber insbesondere auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung, die sich wie gewohnt in den Fachforen aktiv beteiligt und die Veranstaltung lebendig gestaltet haben.